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23.01.2020

Samag Gruppe: neue Strukturen

Christian Kleinjung und Martin Hüttmann im Interview

Die Samag Group stellt sich für zukünftige Herausforderungen neu auf. Im Interview sprechen Christian Kleinjung, Geschäftsführer der Samag Gruppe (Frage 1 bis 3), und Martin Hüttmann, Leiter des Geschäftsfeldes Maschinenbau (Frage 4 bis 5) über die zukünftige Unternehmensausrichtung.

Christian Kleinjung, Geschäftsführer der Samag Gruppe (© Samag)

Herr Kleinjung, seit August 2019 agieren Sie als Alleingeschäftsführer. Ab 1. September kam Martin Hüttmann als Leiter des Geschäftsfeldes Maschinenbau ins Unternehmen. Wie ist die Arbeitsteilung jetzt organisiert?

Christian Kleinjung: Bereits seit einigen Jahren bestehen enge partnerschaftliche Kontakte zwischen der Samag und Martin Hüttmann. Mit dem Ausscheiden von Roland Emig aus dem Unternehmen im Sommer 2019 war es erforderlich, dass wir uns auch personell zeitnah den Herausforderungen der Zukunft stellen. Dazu kam die Unternehmensentscheidung, eine sortenreine und auf die jeweiligen Stärken ausgerichtete Aufstellung der einzelnen Bereiche zu realisieren. Auf dieser Basis übernahm Martin Hüttmann zunächst am 1. September 2019 die Leitung des Geschäftsfeldes Maschinenbau. Ab dem 1. Januar 2020 trägt er als geschäftsführender Gesellschafter die volle unternehmerische Verantwortung für diesen ausgegliederten Unternehmensteil.

Ich selbst bin alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer der Samag Gruppe mit mehreren Standorten und Bereichen. Das sind in Saalfeld die Serienfertigung, die Kleinserie und die mechanische Fertigung. Am Standort Gera ist es die AGA Zerspanungstechnik Gera GmbH sowie weiterhin die Samag Truck Components GmbH in Königsee-Rottenbach.

Bereits auf der EMO 2019 in Hannover haben Sie verkündet, dass einzelne Bereiche neu strukturiert werden sollen. Warum ist das notwendig?

Christian Kleinjung: Hier möchten wir gezielt auf die Anforderungen der Märkte reagieren und klar auf die Stärken fokussieren. Durch die klare Abgrenzung der Unternehmensbereiche entstehen autark arbeitende und wirtschaftlich selbstständige Einheiten, sodass nun auch Synergien zwischen den Bereichen besser generiert werden können. Uns ist es wichtig, dass am Markt eine transparente Unternehmensstruktur mit den einzelnen Kompetenzfeldern deutlich erkennbar ist.

Wie soll das konkret aussehen?

Christian Kleinjung: Natürlich ist eine klare Struktur auch mit einer klaren räumlichen Trennung verbunden. Dies ist notwendig, um für alle Bereiche die richtigen Rahmenbedingungen und damit verbunden auch Wachstum zu ermöglichen. Der Optimierung von Schnittstellen, Prozessen und insbesondere der logistischen Abläufe gilt hier das Hauptaugenmerk. Vor diesem Hintergrund wurde bereits vor einiger Zeit ein Standortkonzept entwickelt. Ein Kernpunkt dieses Konzeptes ist der Neubau für den Samag Maschinenbau. Hierfür konnten wir bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH ein Grundstück reservieren  auf der grünen Wiese in Saalfeld Watzenbach und mit optimalen logistischen Bedingungen. Nach Vorliegen aller Genehmigungen rechnen wir mit etwa einem Jahr Bauzeit. Für den Sommer 2021 ist der Umzug angedacht.

Geschäftsfeld Maschinenbau: Schwerpunkte

Herr Hüttman, Sie sind zukünftig verantwortlich für das Geschäftsfeld Maschinenbau. Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie?

Martin Hüttmann: Ich konnte das Unternehmen bereits 100 Tage kennenlernen und habe festgestellt, dass im Maschinenbau ein hervorragend ausgebildetes Team agiert. Auch das Produktportfolio überzeugt. Inhaltlich ist es nach der Neustrukturierung jetzt erforderlich, die Prozesse zu optimieren. Wir werden einen klaren Fokus auf Qualitätsanforderungen des Maschinenbaus legen, effiziente Abläufe gestalten und Entscheidungswege verschlanken. Durch die Verkürzung der Durchlaufzeit werden wir eine höhere Wirtschaftlichkeit erreichen und somit mehr Umsatz schaffen. Außerdem sollen einzelne Geschäftsbereiche besser vernetzt werden, sodass Kundenanfragen in kürzeren Zeiträumen als bisher bearbeitet werden können.

Martin Hüttmann, Leiter des Geschäftsfeldes Maschinenbau (© Samag)

Das Produktportfolio soll beibehalten werden, die Produkte sollen marktgerecht weiterentwickelt und im Detail verbessert werden. Zusätzlich sind Automatisierungsmöglichkeiten angedacht, die kundenindividuell angepasst werden. Für die Tiefbohrmaschinen und Tiefbohr-Fräszentren der TFZ-Baureihe sind einige Erweiterungsoptionen geplant, beispielsweise mit Blick auf die Schwerlastautomation oder auf die Werkzeugwechselkapazitäten.

Ein weiterer Punkt ist die Dienstleistung rund um die Maschine. Hier werden wir unsere Maschinen schrittweise für eine vorausschauende Wartung auslegen und je nach Kundenbedarf verschiedene Lösungen anbieten.

Wie ist Samag derzeit für die Herausforderungen der Digitalisierung aufgestellt, also beispielsweise vernetzte Prozessketten?

Martin Hüttmann: Die Digitalisierung steht im Mittelpunkt verschiedener Aktivitäten. Grundsätzlich ist jedoch mit Blick auf die Kundenanforderungen und die Programmierumgebung des Kunden immer Augenmaß gefragt. Unsere mehrspindligen horizontalen Bearbeitungszentren der MFZ-Baureihe sind mit Siemens-Steuerungen ausgerüstet, unsere TFZ-Anlagen mit Heidenhain-Steuerungen. Entsprechend greifen wir in der Zusammenarbeit mit diesen Steuerungsherstellern auch aktuelle Feature wie den umati-Schnittstellenstandard auf und setzten diese für Kundenanforderungen um. Bereits seit einiger Zeit bieten wir die Unterstützung des State-Monitors von Heidenhain, der dem Kunden in Echtzeit den Zustand der Maschinenauslastung aufzeigt.

Welche globalen Themen stehen für Samag in den nächsten fünf Jahren auf der Tagesordnung?

Martin Hüttmann: Tradition, Leistungsstärke und Qualität der Marke Samag sollen deutlicher am Markt präsentiert werden. Wir wollen zeigen, dass die hohen Anforderungen der Kunden stets im Mittelpunkt stehen und umgesetzt werden. Die Neustrukturierung soll sich am Markt bewähren und zu mehr Wirtschaftlichkeit führen. Zudem planen wir individuelle Erweiterungen für die Tiefbohrmaschinen der TBM-Reihe.

Christian Kleinjung: Wir möchten weiterhin zu den attraktivsten Arbeitgebern Thüringens gehören und sichere Arbeitsplätze anbieten. Ein neues Thema wird die Elektromobilität sein. Unser Ziel ist es zudem, den Kundennutzen zu erhöhen, neue Märkte zu erschließen und unsere Netzwerkaktivitäten auf globale Märkte auszurichten.

Christian Kleinjung

Seit Dezember 2017 ist Christian Kleinjung Geschäftsführer der Samag Gruppe. Seine kaufmännische Laufbahn begann 1997 als Berater und Abschlussprüfer bei KPMG. Von 2002 bis 2006 bekleidete er erste Management Positionen in der Mapress Gruppe, später Geberit AG. In den Jahren 2006 bis 2016 war der Diplom-Kaufmann mit verschiedenen nationalen und internationalen Managementpositionen innerhalb der Weidmüller Gruppe betraut, ab 2014 als Member of the Board/CFO Asien. In dieser Zeit war er für den gesamten asiatischen Markt zuständig. Zudem gehörte die gesamte Supply Chain zu seinen Hauptaufgaben. Zuletzt verantwortete er als Geschäftsführer der Qundis GmbH Erfurt die Bereiche Finanzen, Einkauf, Prozesse und IT.

Martin Hüttmann

Nach seiner Ausbildung zum Maschinenbautechniker Fachrichtung Konstruktion übernahm Martin Hüttmann eine mehrjährige internationale Vertriebsleitung eines großen Werkzeugmaschinenherstellers. Im Jahr 2002 startete er die Selbständigkeit zunächst als Handelsvertretung für Werkzeugmaschinen mit Spezialisierung auf Zerspanung im Werkzeug- und Formenbau. Im Jahre 2011 gründete er ein weiteres Unternehmen in Soltau, speziell für Überholung und Retrofit von gebrauchten Maschinen und Anlagen. Die Zusammenarbeit mit Samag besteht seit 2017, speziell für den Vertrieb der TFZ. Seit September 2019 ist Martin Hüttmann Leiter des Geschäftsfeldes Maschinenbau bei der Samag.

Das Interview führte Annedore Bose-Munde, Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik in Erfurt.

Unternehmensinformation

Samag Saalfelder Werkzeugmaschinen GmbH

Hüttenstr. 21
DE 07318 Saalfeld
Tel.: 03671 585-0
Fax: 03671 585-402

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